Verkostungsnotizen

Weingut Manz, Weinolsheim

2017 Silvaner Alte Reben trocken – ein guter Wein mit Trinkfluss. Das Weingut habe ich immer auf dem Radar, wenn ich Weine in Rheinhessen trinke. Diesmal allerdings in Limburg! Eine kleine Tour an die Lahn führte auch in die Bischofsstadt, wo alte „Bekannte“ das „Tafelspitz“ führen: Familie Held, die lange Jahre mit großem Elan Fendels Gutsschänke in Rüdesheim führten und zu einem kulinarischen Magneten entwickelten, haben dort ein kleines Hotel mit Restaurant direkt am Rand der Altstadt gepachtet. Das ist durchweg mit seiner saisonalen Küche und seinem freundlichen Service zu empfehlen. Und der Silvaner von Manz mit dem Duft reifer Äpfel und Aromen von Birne und Pfirsich passte hervorragend zum Cordon Bleu von der Eifler Wutz.

Schloss Johannisberg,  Johannisberg

2018 Riesling „Gelblack“ trocken – sozusagen der fruchtig-trockene Hauswein des diesjährigen Sommerfestes des Rheingau Musik Festivals, das 2019 unter dem Motto „Woodstock“ stand. Schließlich wurde das legendäre Festival vor 50 Jahren gefeiert, wenn auch nicht in Woodstock, sondern im 70 Kilometer entfernten Bethel. Hoch „Vera“ heizte allen 2300 Gästen tüchtig ein, der fruchtig-frische „Gelblack“, den das Schloss ungewöhnlich früh im Jahr schon als 2018er abgefüllt und ins Verkaufsregal gestellt hat, wurde im Glas schneller warm, als wir ihn vernünftigerweise hätten trinken sollen.

Dennoch ein schöner Abend, und Kompliment an Hessenlotto: Der Vorempfang im Garten des Schlosses hatte Stil!

Schloss Schönborn, Hattenheim

Bahnt sich mit dem Jahrgang 2018 bei Schönborn ein Stilwechsel an? Das Sommerfest im Weingut bot jedenfalls die Gelegenheit zur Jahrgangsprobe, und die bot durchaus erfreuliche Überraschungen. Die Weine erschienen mir präziser, klarer, feinfruchtiger als in den Vorjahren… Das könnte ein erfreuliches Vorzeichen sein, dass Schönborn wieder an Stärke gewinnt, aber warten wir ab. Besonders gut haben mir die 2018er Lagenweine aus der Hochheimer Hölle, dem Geisenheimer Kläuserweg und dem Rüdesheimer Rottland gefallen. Das verspricht Spannung, wenn Ende August die Großen Gewächse vorgestellt und ab September verkauft werden. Nach der Vorankündigung könnte es im Herbst sogar deren 5 (!) geben: Domdechaney, Marcobrunn, Pfaffenberg, Hasensprung und Schlossberg.  Die Folge des Füllhorns bester Lagen im Rheingau.

Langwerths Erben

Das Weingut Langwerth von Simmern ist Geschichte, die Umgestaltung des Langwerthers Hofes in der Eltviller Altstadt nimmt planerisch Konturen an. Mit dem Wein geht die Veränderung schneller. Die Weingüter Höhn und Corvers-Kauter sind gewissermaßen die Erben Langwerths, und was sie bislang aus den Spitzenlagen des Traditionsweinguts, das ausgerechnet den 555. Jahrgang nicht mehr erlebt hat, produziert haben, verdient Anerkennung. 2017 Mannberg und 2017 Marcobrunn, jeweils Riesling trocken, von Höhn, das sind zwei Weine, die erst kürzlich verkostet habe und die ich in dieser Güte von Langwerth nicht in Erinnerung habe. Und der 2018er Baiken von Matthias Corvers ist ein Weine voller Komplexität und Finesse bei gleichzeitig großem Trinkfluss. Das gilt auch für den Nussbrunnen und andere Weine aus ehemals Langwerther Lagen, die Corvers gepachtet und die Höhn gekauft hat. So kann es weitergehen! Eine Verlust für die deutsche Weinkultur bleibt es trotzdem!

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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