Rheingauer Schlemmerwoche

Das Jahr 817 hat für den Rheingau eine besondere Bedeutung: Damals tauschte Kaiser Ludwig der Fromme die Weinberge am Elsterbach in Johannisberg mit dem Abt von Fulda. „817“ heißt deshalb das Brot zum Wein, das sechs Rheingauer Bäcker anlässlich der 33. Rheingauer Schlemmerwoche kreiert haben. Ein Backwerk aus Dinkel, dem Lieblingsgetreide der Hildegard von Bingen, und aus Roggen, verfeinert mit Weinbergskräutern. Recht lecker, vor allem von Stalter und Dries. Dennoch, wir gehen wegen des Weins in die Güter, und das sind einige unserer Geschmackserlebnisse.

Robert Weil: Jaaaaa! Weil hat erstmals „richtig“ geöffnet und bietet Ausschank mit kleinen Catering-Speisen. Currywurst zu. 2017er Turmberg und zum 2017er Gräfenberg GG, davor 2018 Gutswein und 2018 Kiedricher, da hat im traumhaften Ambiente was… bitte Fortsetzung auch im nächsten Jahr!

Koegler: Sonderkarte mit russischen Spezialitäten, dazu 2015 Riesling Erstes Gewächs und 2018 „Weiß aus Rot“, was heißt „Himmel auf Erden“ eigentlich auf russisch? Zum VIP-Rundgang gab es übrigens 2014 Rubeus Spätburgunder. Great! Der Weinhammer des Tages !

F.B. Schönleber: Insgesamt eine klasse 2018er Kollektion zur Schlemmerwoche, 2018 „Franz Bernhard“ VDP-Ortswein sehr gut, aber das 2018 „Beste Fass“ (Edelmann) ist nun einmal das BESTE Fass, genial gut. Zum Niederknien: 2012 Lenchen Riesling Sekt brut

Bibo-Runge: ein Stopp am Revoluzzer-Häuschen lohnt immer… beispielsweise zum 2018 Debütant und zum 2016 Revoluzzer. Die 2017er dazwischen tun sich dagegen etwas schwer…

Theo Kreis: Das sympathische Familienweingut in der ehemaligen WZG der „Engländer“ hat die vielleicht schönste Terrasse während der Schlemmerwoche. 2018 Kabinett trocken recht ordentlich, doch scheint mir beim bislang flüchtigen Probieren das Jahrgangspotential nicht ausgeschöpft….

Ferdinand Abel, Oestrich: Wie immer verlässlich, ordentlich, solide… aber das einst zu den führenden Erzeuger von Oestrich gezählte Familienweingut wurde in den zurückliegenden 10 Jahren durchaus auch links und rechts überholt, wenn es um Top-Qualitäten aus dem mittleren Rheingau geht… da geht doch mehr, oder ?!

Steinmacher, Kiedrich: die Sonnenterrasse ist das „Pfund“ beim „Wibbes“, das Essen sehr gut, die 2016 „Alte Reben“ sind mein Favorit, aber die ersten 2018er schmecken sehr vielversprechend…da muss nochmal nachprobiert werden…

Wegeler: Phänomenal was Familie Drieseberg in der Probierstube während der Schlemmerwoche zeigt: Beispielsweise eine Geheimrat J-Vertikale von 2011 bis 2016… das hat unsere Fünfer-Gruppe schwer beeindruckt… für mich waren 2013 und 2016 die Topps, aber das ist schon eine fast unfaire Bewertung für echte Spitzenweine!

Lamm-Jung: sehr erfreulich, wie sich das alles so entwickelt… noch keine 2018er, aber 2016 Premium und 2016 Steillage, yes!!!!!!!!!!!! Mehr davon, unbedingt!

Jakob Jung: Immer eine Bank, immer fein, immer gut! Hier bin ich nie nur einmal während der Schlemmerwoche… bsp. wegen des 2018 Erbacher Ortsweins…

Heinz Nikolai: gehört zu jeder Schlemmerwochen-Erbach-Runde dazu… 2018 Placidus u.a., wie gewohnt verlässlich hohe Qualität

Winzer von Erbach: zum Abschluss der ersten Erbach-Runde dann eine Buddel 2017 Riesling Alte Reben Erbacher Honigberg.. davon dürfte es in der Kollektion noch mehr Vergleichbares geben…

Peter Jakob Kühn: Auch das immer ein Muss zur Schlemmerwoche! 2018 Quarzit und 2018 Rheinschiefer überzeugen ebenso wie der 2018 Jacobus. 2017 Hendelberg ein wirklich sehr guter Vertreter des Jahrgangs, aber 2016 Doosberg und noch viel mehr 2016 St. Nikolaus strahlen am Weinhimmelfirmament. Groß!

Hans Bausch: Auch das erlebt man zur Schlemmerwoche. Auf eine Absacker zu Bausch, und dann Blasmusik vom Feinsten… Dazu gab es 2017 Schützenhaus Riesling Erstes Gewächs… Passt!

Offenstein–Erben: es gab ein „Bestes Fass“ zur VIP-Eröffnung der Schlemmerwoche, das war sehr ok…

H.J. Ernst: Wie immer ein Muss allein wegen Gosch und seinen Fischspezialitäten: In meinem Fall Shrimps mit Asia-Sauce und dazu den 2018 Blanc de Noir… lecker

Schreiber, Hochheim: Doll Ding, was die Familie als neue Vinothek da auf die Beine gestellt hat. Modern, viel Glas, schöner Blick auf die Weinberge, gut organisierte Straußwirtschaft mit Caterer. Im Glas 2018 Hochheimer Hölle trocken und 2018 Reichestal Alte Reben trocken. IM Großen und Ganzen ordentlich. Punkt.

Reuter & Sturm: Tolles Ambiente, freundlicher Service, großartige Sekte. 2016 Opus brut und 2016 Cuvée R+S umwerfend gut, aber auch der Rote Riesling ist wirklich nicht zu verachten… ein Muss zur Schlemmerwoche !

Trinks Trinks am Bischof-Blum-Platz Geisenheim ist ein Erlebnis der besonderen Art. Muss man gesehen haben. 2016 Mitanand Riesling 2017 Im Schorchen, dazu 2016 und 2017 „In allen Ehren“ sehr gut, mein Favorit 2016 In allen Ehren trocken Sohns war wie immer ein Muss in Geisenheim. Was von 2018 schon gefüllt ist, schmeckt sehr vielversprechend… da sind wir schon jetzt auf die Lagenweine gespannt.

Dillmann entwickelt sich qualitativ stetig nach oben, und dank der längeren Straußwirtschaftszeiten ist der Betrieb jetzt ein echter Weinschmecker-Kandidat. 2016 Kläuserweg Réserve ist ein echter Knaller, wenn auch ein polarisierender Wein. Wein des Tages war aber die „Wundertüte“, ein Gelber Muskateller aus dem Jahr 2018 mit Zug und Kraft.

Wurm ist immer der Auftakt unserer Lorch-Tour, aus dem Keller gab nen Knaller: 2015 Lorcher Schlossberg Riesling trocken Weiler: gewohnt gut, die trockene Spätlese „S“ liegt nicht ohne Grund schon in unserem Keller

Kanitz zeigte diesmal zur Schlemmerwoche noch keine 2018er, dafür spannende Jahrgangsvergleiche verschiedener Qualitätsstufen

Mohr gewohnt gut, die bislang gefüllten 2018er erfüllen durchweg meine stets hohen Erwartungen, und 2018 Alte Reben ist saftig-süffig-lecker

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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